Sie haben Marcos Leben erfolgreich abonniert.
Toll! Schließen Sie als Nächstes die Prüfung ab, um vollen Zugriff auf Marcos Leben zu erhalten.
Willkommen zurück! Sie haben sich erfolgreich angemeldet.
Erfolg! Ihr Konto ist vollständig aktiviert, Sie haben nun Zugriff auf alle Inhalte.

Experiment "Umstieg auf Android" - Teil 2: Das NEXUS 4 ist da

. 6 minuten gelesen

Am 23. März, also einen Tag bevor ich diesen Blogbeitrag schreibe, kam das Google NEXUS 4 bei mir an. Es ist ein wirklich schön verarbeitetes Smartphone. Es fühlt sich solide an, auch bei leichtem Druck der Finger. Nicht so wie das Galaxy Nexus, dessen Polykarbonat-Gehäuse doch gern mal etwas quietscht und sich matschig anfühlt, gerade im Bereich der Akkuklappe. Das Glas schmiegt sich wie Samt in die Hand, die Breite passt wunderbar zu meinen nicht ganz so großen Händen. Die Bedienelemente sind sehr typisch angeordnet: Auf der rechten Seite der Ein-/Ausschalter, auf der linken oben ein etwas längerer Kippschalter für die Lautstärke. Darunter befindet sich das Fach für die Micro-SIM. Ein Werkzeug zum Herausdrücken des Trays wird mitgeliefert, das vom iPhone funktioniert aber auch wunderbar. Die Micro-SIM wird auf genau dieselbe Weise auf den Schlitten gelegt wie beim iPhone, ich musste also nichts neu lernen.

An der Unterseite befindet sich die Buchse für den Mikro-USB-Anschluss, wie ich ihn von Android-Geräten her nur kenne. Das Kabel sitzt nach dem Einstecken sehr solide und rutschfest in der Buchse. Die Buchse des NEXUS 7 z. B. neigt dazu, gern mal Stecker auszuspucken. Auf der Oberseite links befindet sich die 3,5-mm-Klinkenbuchse für ein Headset. Einzige haptische Merkmale auf den Glasflächen sind die Kamera auf der Rückseite oben rechts und der Lautsprecherschlitz unten links, sowie der Lautsprecherschlitz oben quer auf der Vorderseite.

Auspacken, einschalten, geht nicht

Nun ja, das NEXUS 4 an sich ging schon, aber die Geste zum Einschalten von TalkBack auf dem Willkommensbildschirm funktionierte nicht. Weder bei mir, noch bei der Herzdame. Auch nicht mit verschieden breit voneinander entfernt liegenden zwei Fingern. Eigentlich soll man für einige Sekunden zwei Finger aufs Display legen, auf die Ansage der Sprachausgabe warten und die Finger zwei weitere Sekunden liegen lassen, um TalkBack zu starten.

Ich wurde also um die Ersteinrichtung betrogen, die die Herzdame für mich vornehmen musste. Sie schaltete mir dann auch TalkBack zu, das danach anstandslos lief.

Dieser erste Eindruck war, gerade weil es auf dem NEXUS 7 im letzten Jahr so gut geklappt hatte, doch erstmal sehr enttäuschend.

Später habe ich dann eingestellt, dass TalkBack durch die Kombination von Ein-/Ausschalter und nachfolgendem Auflegen zweier Finger auf das Display eingeschaltet werden können soll. Dies funktionierte dann auch zuverlässig. Ich vermute daher, dass es sich bei den Startschwierigkeiten um einen Bug in dieser Android-Version handelt.

Eine vernünftige Sprachausgabe

Da ich die von Google mitgelieferte Sprachausgabe sehr anstrengend finde und sie von der Soundqualität her auch sehr zu Wünschen übrig lässt, habe ich im Play Store erst einmal nach Alternativen gesucht. Zu meiner Freude stellte ich fest, dass es die im Deutschen inzwischen sehr gut klingenden Á Capella TTS Voices, die früher unter dem Namen Infovox bekannt waren, für Android gibt. Die Basis-App ist kostenlos und bietet eine Übersicht über die verfügbaren Stimmen. Man kann sich von jeder eine Hörprobe anhören. Gefällt einem eine Stimme, kann man sie als In-App-Kauf für 3,99€ erwerben. Da mir die neueste der deutschen Stimmen, der Andreas, etwas zu angespannt klingt und Julia zu hauchig, habe ich mich für Klaus entschieden, eine Stimme, die mich unter Mac OS X Leopard und Snow Leopard treu begleitet hat.

Nach der Installation muss man in den Einstellungen unter Text und Sprache lediglich die Sprachausgabe von der Android auf die Á Capella umstellen, und Klaus beginnt sofort zu sprechen. In TalkBack sind keine weiteren Einstellungen nötig.

Und was für ein himmelweiter Unterschied! Nicht nur, dass die Sprachausgabe erfreulich gut klingt, nein, sie ist auch sehr antwortschnell bei Gesten. Es gibt nichts schlimmeres, als eine Sprachausgabe, auf die man nach einer Wisch- oder Berührungsgeste gefühlte 100 Jahre warten muss, bis sie sich zu sprechen bequemt!

Erstmal alles updaten

Ja, so ein Android ist bei Auslieferung oft auch nicht ganz auf dem neuesten Stand. Neben 11 automatischen und drei manuellen Updates, u. a. TalkBack, wurde mir auch gleich ein Systemupdate auf Android 4.2.2 angeboten. Das habe ich dann auch alles gleich mal installiert, denn Google hat an der Zuverlässigkeit der Gestenerkennung bei aktivem TalkBack noch einiges gedreht.

Nach diesen Updates lief das Handy dann soweit auch richtig rund. Und ja, es läuft auch sehr schnell und flüssig.

Endlich wieder Firefox!

Ja, die erste Amtshandlung war, den Firefox zu installieren. Da ich erfahrungsgemäß die meisten Bugs im täglichen Betrieb finde, entschied ich mich nicht für die Play-Store-Version von Firefox oder Firefox Beta, sondern für die aktuellen Nightly Builds, also das, was ganz heiß aus der Entwicklerpresse kommt. So fahre ich seit Jahren erfolgreich unter Windows, und so will ich es auch hier tun.

Für den Download nutzte ich Chrome. Chrome ist, wie der IE unter Windows, ja schließlich nur ein Tool, um Firefox herunterzuladen. 😉 Nachdem ich Android mitgeteilt hatte, dass es bitteschön auch Software aus unbekannten Quellen installieren darf, lief die Installation des Firefox problemlos durch, und wie erwartet war er sofort einsatzbereit, ohne jegliche Konfiguration für TalkBack-Support. Der wird nämlich automatisch zugeschaltet, sobald Firefox merkt, dass TalkBack oder ein anderer Screen Reader laufen. Dann noch schnell Firefox Sync eingerichtet, und ein paar Sekunden später hatte ich meine Lesezeichen, Chronik und anderes auf dem Handy.

Erste Anpassungen und Unterschiede bei gewohnten Abläufen

Da ich oft deutsche und englische Texte schreibe, galt es zunächst, der Android-Tastatur klarzumachen, dass ich nicht nur eine Sprache eingeben möchte. Dazu geht man in Einstellungen, Text und Sprache und dort in die Einstellungen der Android-Tastatur. man deaktiviert das Häkchen bei „Systemsprache“. Deutsch bleibt danach weiterhin aktiviert, man kann aber auch weitere hinzufügen wie in meinem Fall Englisch. Ab sofort erscheint unten links ein Button zur Sprachumschaltung, der auch gleich die Sprache für die Autokorrektur usw. mit umschaltet, so dass das Eingeben englischer Texte jetzt auch kein Problem mehr darstellt.

Beim Einrichten des in Teil 1 erwähnten Exchange-Servers zeigte sich das NEXUS 4 weniger automatisierungsfreudig als das HTC One der Herzdame. Bei ihr reichte das Eingeben von E-Mail-Adresse und Kennwort, bei mir mussten die Serverdaten von Hand nachgetragen werden. Danach lief die Synchronisierung allerdings sehr flüssig und zuverlässig.

Bei den Gesten von TalkBack gibt es einige Unterschiede zu den von VoiceOver gewohnten. So gibt es keinen Rotor. Um zeichen-, wort- oder absatzweise zu lesen, schaltet man die Lesestufe für die Wischgesten links und rechts um, indem man mit dem Finger schnell in einer flüssigen Bewegung nach oben und dann unten streicht. Erst nach unten und dann nach oben streichen schaltet die Stufen in entgegengesetzter Richtung um. Diese Geste erfordert ein wenig Übung, um das Timing, den Bewegungsablauf richtig in die Finger zu bekommen. Ich erinnere mich aber, dass dies beim Rotor von iOS genauso war. So ist es dann auch möglich, Text in Textfeldern zu editieren.

Einen weiteren Unterschied gibt es beim Scrollen. Man kann mit der Wischgeste links und rechts nur Elemente erreichen, die gerade auf dem Bildschirm sichtbar sind. Will man also weitere Elemente erreichen, muss man scrollen. Dies kann man auf zwei Arten tun. man streicht entweder kontinuierlich mit zwei Fingern nach oben, um weiter unten stehende Einträge anzuzeigen, oder nach unten, um weiter oben stehende sichtbar zu machen. TalkBack zeigt dies durch auf- bzw. absteigende Tonfolgen an. Oder, und das ist neu in der neuesten TalkBack-Version, man streicht erst nach rechts und dann nach links, in einer flüssigen Bewegung, um bildschirmweise nach unten, bzw. nach links und dann nach rechts, um nach oben zu scrollen. Auch diese Geste erfordert einige Eingewöhnung, bis sie richtig in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Zum Scrollen beim Bewegen der Wischgesten sei noch angemerkt, dass es im alternativen Screen-Reader Spiel möglich sein soll, dass er sich eher wie iOS verhält, also versucht, den Bildschirm mitzuscrollen. In einer der nächsten Teile dieses Experiments werde ich darauf näher eingehen.

Eine Sache, die bisher nicht zu gehen scheint, und welche unter iOS seit Jahren zu einem No-Brainer geworden ist, ist, Bilder aus einer Galerie auszuwählen. Wenn ich also an einen Post für App.net oder Twitter ein Bild anhängen möchte, ist das Fenster, das erscheint, nicht zugänglich. Lediglich die Überschrift und der Abbrechen-Button sind auffindbar. Die Bilder selbst sind für TalkBack nicht sichtbare Elemente. Wenn ich also ein Foto hinzufügen will, sollte ich es direkt aus der App heraus machen. Die Kamera-App bzw. das hier eingebundene Modul ist nämlich benutzbar. Man kann also Fotos schießen, sie nachher aber nicht nochmal auswählen. 😉

Die ersten Apps

Einige Apps habe ich ja in Teil 1 schon erwähnt, die ich dann auch installiert habe. Aber da hörte der Spaß natürlich nicht auf.

Die Amazon-App läuft unter Android ähnlich gut wie unter iOS. Lediglich die Funktion zum Suchen eines Wunschzettels eines anderen Amazon-Teilnehmers scheint es, wie auch in der iPad-Variante der iOS-Amazon-App, nicht zu geben, sondern lediglich für iPhone & iPod Touch.

Foursquare läuft ähnlich gut wie auf iOS. Die Oberfläche sieht ganz anders aus, der Checkin-Button ist z. B. unten links anstatt oben rechts, aber das ist reine Gewöhnungssache.

WhatsApp, ein kostengünstiger SMS-Ersatz, läuft bis auf einige wenige unbeschriftete Buttons, die ich mir leicht merken kann, auch gut. Nach über einem Jahr iMessage von Apple bin ich jetzt also wieder plattformübergreifend unterwegs.

FahrInfo Hamburg und Öffi sind zwei ÖPNV-Auskunfts-Apps, die die Fahrplan-Info unter iOS ersetzen sollen. Auch hier sind einige Buttons unbeschriftet, aber deren Funktion kann man sich ebenfalls merken. Außerdem werde ich die Entwickler anschreiben, ob sie bereit sind, diesen grafischen Buttons contentDescription-Attribute zu spendieren. Das ist eigentlich nicht aufwendig.

Pakete ist eine App zum Verfolgen von Paketen von verschiedenen Kurierdiensten. Das Gegenstück unter iOS heißt Parcel und hat mir jahrelang treue Dienste geleistet. Auch diese App ist bis auf einige wenige unbeschriftete Buttons gut bedienbar.

Im nächsten Teil werde ich auf weitere Apps eingehen wie den DB Navigator und DB Tickets, Apps, die unter iOS inzwischen zu essentiellen Tools des barrierefreien Kartenkaufs geworden sind. Außerdem schaue ich mir an, wie gut myTaxi läuft, nachdem es unter iOS in letzter Zeit erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Stay tuned!


Kommentare

Werden Sie Mitglied von Marcos Leben , um sich an der Unterhaltung zu beteiligen (es ist kostenlos!). Als Mitglied bekommen Sie auch neue Beiträge automatisch per E-Mail zugesandt (und können sich jederzeit abmelden).