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Neuerungen in den Bedienungshilfen von iOS 14 & Co.

. 6 minuten gelesen

Am heutigen 16.09. veröffentlicht Apple die neuen Versionen von vieren seiner Betriebssysteme. iOS 14, iPadOS 14, TVOS 14 und WatchOS 7 werden gleichzeitig zum Download zur Verfügung stehen. Im Vorfeld haben in diesem Jahr neben den bekannten Funktionen wie der App Library, den neuen Widgets und den Neuerungen bei den Karten oder den Produktivfunktionen von iPadOS auch viele Bedienungshilfen Erwähnung in der Mainstream-Technologie-Presse erfahren. Hier folgt nun mein üblicher Rundblick auf die für die Leserschaft dieses Blogs spannendsten Neuerungen.

iOS 14

VoiceOver wird intelligenter

Dank moderner Funktionen zur künstlichen Intelligenz kann auch VoiceOver mächtig dazu lernen. Die im letzten jahr eingeführte Erkennung vieler Grafiken und Bilder wurde erheblich verbessert. Die Bildbeschreibungen sind zwar weitgehend noch auf englisch, dafür aber sehr sprechend und stellen viele Objekte in Beziehung zueinander. Damit ist die VoiceOver-Bilderkennung nicht nur eine Ergänzung zu den Erkennungsmöglichenkeiten von Apps wie Seeing AI von Microsoft oder der Bilderkennung bei Facebook, sondern schlägt diese zum Teil sogar.

In dem Zusammenhang wurde auch die Erkennung von Texten auf Bildern weiter verbessert. Besonders auf Geräten wie dem iPhone XS/XR oder neuer, dem iPad Pro ab 2018 oder iPad Air ab der 3. Generation ist dies spürbar, weil hier viele Vorteile der modernen Hardware ausgenutzt werden können.

Als tatsächlich neues Feature kam in iOS und iPadOS 14 nun die Bildschirmerkennung hinzu. Diese kann separat zugeschaltet werden, um Apps, die nicht von sich aus zugänglich sind, zugänglicher zu machen. Ab diesen erwähnten Gerätemodellen erkennt VoiceOver viele Bildschirmelemente und deren Beschriftungen und Texte dann selbstständig und stellt eine verbesserte Zugänglichkeit her. Nutzer älterer eräte wie iPhone 7 oder 8 oder sogar das iPhone X müssen leider darauf verzichten.

Diese ganzen Einstellungen werden im neuen Bildschirm VoiceOver-Erkennung in den VoiceOver-Einstellungen konfiguriert. Im Falle der Bildschirmerkennung kann diese sogar auf eine neue Rotor-Funktion gelegt werden und ist somit individuell an- und abschaltbar. Dabei merkt sich VoiceOver, in welchen Apps man die Bildschirmerkennung zugeschaltet hat und wendet diese zukünftig bei Verwendung der App selbstständig wieder an.

Aus Unterbildschirmen herausbuddeln

In iOS 14 gibt es die Möglichkeit, die Zurück-Taste doppelt anzutippen und zu halten, um ein Menü anzuzeigen, das alle Bildschirme anzeigt, die man über die Zurück-Taste jetzt nacheinander erreichen könnte. Befindet man sich also in Einstellungen -> Bedienungshilfen -> VoiceOver -> Braille -> Infos -> Befehle, kann man hier sehr schnell über ein menü zurück auf die Hauptebene der Einstellungen gelangen, ohne erst mühselig zig mal die Zurück-Taste betätigen zu müssen.

Mehr Ausführlichkeit

In iOS 14 kann VoiceOver so eingestellt werden, dass erkannte Bilder entweder sofort vorgelesen oder durch einen Klang angezeigt werden. Man kann dann mit Hilfe der neuen Rotoroption "Inhalte" die Bildbeschreibung erforschen.

Auch ist es möglich, die Ansage der Container, die in iOS 14 eine weitere Verbreitung erfahren haben, zu beeinflussen. Auch hier kann die Beschreibung oder das Vorhandensein entweder direkt angesagt oder über einen Klang angezeigt werden.

Automatisches Weiterschalten der Braillezeile

In iOS 14 kann die Braillezeile jetzt automatisch weiterschalten, ohne dass man eine Taste drücken muss. Dies muss über einen Befehl eingeschaltet werden, den man sich aber erst auf eine Brailletaste packen muss. Ddie Geschwindigkeit kann ebenfalls über Befehle oder eine neue Rotoroption gesteuert werden. All dies wird in den Blindenschrift-Einstellungen von VoiceOver eingeschaltet und zugeordnet.

Eine kleine Anmerkung noch: In iOS 14 wurden die Elementtypen teilweise verkürzt, so dass gerade auf kleineren Braillezeilen jetzt weniger Platz verschwendet wird.

Geräuscherkennung

iOS 14 bekommt eine auf Geräten laufende Geräuscherkennung. Diese ist natürlich für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen sehr spannend, weil so das Klingeln an der Haustür, ein Alarm eines Feuermelders, eine laufende Wasch- oder Spülmaschine erkannt werden können, die vielleicht keine visuelle Entsprechung haben. Aber auch für Blinde ist diese Funktion spannend, wenn man z. B. AirPods Pro trägt, die ja standardmäßig eine Geräuschunterdrückung haben. So verpasst man auch bei eigentlich abgeschottetem Hörverhalten vielleicht wichtige Umgebungsgeräusche nicht mehr.

Anpassen von Audiowiedergabe

Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit, die Audiowiedergabe entsprechend dem eigenen Hörverhalten anzupassen, wenn man AirPods oder AirPods Pro trägt. So können bestimmte Frequenzen verstärkt oder abgeschwächt werden, die besonders schlecht gehört werden oder im Gegenteil normalerweise unangenehm aufdringlich sind. Ein Assistent führt wahlweise durch eine Serie von Schritten, bei denen man die Höreindrücke verschiedener Klänge bewertet, oder man stellt die Werte von Hand ein.

FaceTime erkennt Gebärdensprache

In FaceTime werden Teilnehmende, die in Gebärden sprechen, jetzt besonders hervorgehoben, ähnlich wie mit der Stimme sprechende Teilnehmende. Leider gibt es bisher jedoch noch keine Übersetzung von Gebärdensprache in geschriebene Sprache oder den umgekehrten Fall, dass gesprochene Beiträge gleich in Gebärdensprache oder wenigstens untertitelt werden.

Übersetzung, Siri Translate

Neu ist allerdings eine wahlweise geräte- oder cloud-basierte Funktion zur Übersetzung von gesprochener Sprache in eine andere. So können sich Menschen miteinander verständigen, die sonst vielleicht eine Sprachbarriere zwischen sich hätten. Hier baut Apple auf eine Form, die wahlweise nur auf dem Gerät übersetzt oder zusätzlich die Hilfe der Cloud in Anspruch nimmt. Letzteres soll zu noch besseren Ergebnissen führen.

Diese Funktion kann auch wunderbar zur Kommunikation mit Taubblinden verwendet werden. Setze einfach die Ausgangs- und Zielsprache auf denselben Wert. Die gesprochene Sprache wird dann "übersetzt" angezeigt und kann z. B. auf einer Braillezeile gelesen werden.

Ein Problem hierbei ist, dass die App selbst noch ein paar Ausrutscher hat, was das Fokusverhalten und ein oder zwei Beschriftungen von Elementen angeht. Aber mit ein bisschen Übung funktioniert das tatsächlich ganz gut.

Weitere nütziche Funktionen

Weitere nützliche Funktionen, die aber nicht direkt was mit der Zugänglichkeit für Blinde zu tun haben, sind z. B. die Möglichkeit, Emoji bei der Eingabe zu suchen. Es gibt auf der Emoji-Tastatur jetzt ein Suchfeld. Die gefundenen Emojis sind dann mit rechtswischen zu erreichen.

In Nachrichten ist die letzte Leseposition jetzt über eine Überschrift Ebene 3 auffindbar.

Einige kleinere Probleme

Wie bei jedem Software-Release üblich, ist auch iOS 14 natürlich nicht frei von kleineren Bugs. Im Gegensatz zu iOS 13, das an einigen Stellen ja wirklich haarsträubende Qualitätsmängel hatte, halten diese sich bei iOS 14 jedoch glücklicherweise in Grenzen. Ein paar, denen ich selbst beim Testen der Betas begegnet bin und die auch im Release, das mir als Tester bereits seit gestern vorliegt, vorhanden sind, sind u. a.:

  • In Safari kann es auf bestimmten Webseiten vorkommen, dass gerade beim rückwärtigen Navigieren der Fokus etwas verspringt. Bei Überschriften oder Links, die mehrere Elemente enthalten, springt er z. B. auf das erste Element.
  • Die Widgets laufen noch nicht ganz rund. Gerade auf dem iPad sind sie noch nicht wieder so zugänglich, wie man es von früher gewohnt war, gerade wenn man sich die Heute-Ansicht als Teil des ersten Home-Bildschirms anzeigen lässt.
  • Auf manchen Geräten kann es vorkommen, dass Stimmen langsam reagieren oder unerwartete Satzzeichen vorlesen. Bei mir tritt das Problem nicht auf, ich weiß aber, dass es helfen kann, die Stimmen neu herunterzuladen. Apple wissen bescheid und untersuchen das Problem.
  • In Braille gibt es immer noch ab und zu Probleme bei der Eingabe und Rückübersetzung, teilweise auch mit etwas unerwartetem Verhalten des Cursors bei der Eingabe. Ich habe jedoch in den letzten Betas Verbesserungen beobachtet. Ich hoffe daher, dass Apple das konsequent weiter verfolgt und in einem der nächsten Updates deutliche Verbesserungen spürbar werden.
  • Der Radio-Tab in der Musik-App enthält einige unbeschriftete Elemente und zeigt ein teilweise merkwürdiges Fokusverhalten. Es hilft dann, den Bildschirm mit drei Fingern runter und rauf zu scrollen.

Alles in allem kann ich aber sagen, dass ich das Update empfehlen kann. Es gibt meiner Meinung nach keine schwerwiegenden Bugs, die dagegen sprechen.

WatchOS 7

WatchOS 7 bekommt natürlich auch einiges Neues, was ja schon überall reichlich besprochen wurde. Neue Fitness-Features, teilbare Zifferblätter, eine Händewaschen-Funktion, um nur mal einige zu nennen. Für uns Blinde am spannendsten ist aber sicher, dass VoiceOver jetzt auch auf der Watch einen Rotor hat, man also endlich Texte auch hier vernünftig erforschen, durch Überschriften navigieren kann usw.

Und WatchOS 7 bekommt das erste Mal eine Unterstützung für eine ausgesuchte Anzahl von Braillezeilen. Dabei werden wohl, wenn man den Erfahrungen einiger Nutzer trauen kann, noch nicht alle Braillezeilen unterstützt, die von iOS unterstützt werden. Apple hat auch noch keine Kompatibilitätsliste veröffentlicht. Aber dass das mit einigen Zeilen, z. B. denen von Hims, schon geht, ist sehr spannend. Zumal hier auch die Texteingabe funktioniert, was eine gute Alternative zum Kritzeln, das Sehenden zur Verfügung steht, darstellt.

Weiterhin kann man nun endlich die Sprache fürs Diktieren und für Antwortvorschläge in Nachrichten umschalten. Für jemanden wie mich, der öfter mal zweisprachig unterwegs ist, ist das eine schöne Erweiterung.

TVOS 14

Über spezielle neue Funktionen zur Barrierefreiheit in TVOS 14 ist mir nichts bekannt. Die Neuerungen sind eh überschaubar. Irgendwann hat TVOS auch Braille gelernt, aber ich glaube, das gibt es schon etwas länger. Daher erfreuen wir uns einfach mit allen anderen über verbessertes Picture-In-Picture und die verbesserten Home-Screen- und Kontofunktionen.

Fazit

Gerade iOS und iPadOS haben dieses Jahr bei den Zugänglichkeitsfunktionen noch einmal mächtig dazugelernt. Apple demonstriert mal wieder eindrücklich, dass an ihnen zur Zeit bei der Innovationskraft kein Weg vorbei führt. Die Art, wie sie dieselben Funktionen auch für sehr viele Nutzergruppen gleichermaßen nützlich gestalten, zeigt, was tatsächliches inklusives Design bedeutet. Nicht umsonst sind die Bedienungshilfen inzwischen ja prominent auf höchster Ebene der Einstellungen vertreten.

Meine Meinung zu einigen sonstigen Neuerungen in iOS 14 könnt ihr hier nochmal nachlesen. Zu MacOS Big Sur wird es einen gesonderten Artikel geben, sobald diese neue Betriebssystemversion erscheinen wird.

Viel Spaß nun bei iOS 14!


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